top of page

I bi ganz Ohr.

  • 28. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit


«Das grösste Problem in der Kommunikation ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten.»

Thomas Schäring


Ein Mensch sitzt dir gegenüber und richtet seine hundertprozentige Aufmerksamkeit auf dich, während du mit ihm sprichst. Er erschafft ohne Worte, nur durch seine Präsenz, einen weiten, offenen, warmen Raum, in dem du dich gehört, im Herzen empfangen, ernstgenommen und akzeptiert fühlst.


Was für ein Geschenk!Wir, du und ich, haben jeden Tag Gelegenheit, anderen dieses Geschenk zu machen.


Was braucht es, damit dies gelingt? Was hilft mir, nicht in die Gewohnheit zu verfallen, in meinem Kopf – noch während der andere spricht – einen Kommentar oder eine Interpretation vorzubereiten und nur darauf zu warten, sie ihm entgegenzuwerfen? Wie kreiere ich eine berührende Begegnung statt ein Pingpong oder einen Schlagabtausch, bei dem beide reden und niemand zuhört?


In meinem letzten Monatsimpuls ging's um den Sender in der Kommunikation (–> hier nachzulesen), heute widme ich mich dem Empfänger, der Zuhörerin.


Wie kann ich als Zuhörer dazu beitragen, dich wirklich zu empfangen?


  1. Freiraum prüfen

    Bin ich wirklich bereit, dir zuzuhören, habe ich jetzt den inneren Raum dafür? Oder bin ich gerade von anderem absorbiert, zu müde oder möchte erst noch was erledigen? Habe ich noch einen Ärger auf dich von gestern? In solchen Fällen entscheide ich mich, ehrlich statt nett zu sein, spreche an, was mir im Weg steht und mache dir wenn nötig einen Vorschlag für einen späteren Zeitpunkt. (Wenn ich mich übergehe, wirst du es ohnehin fühlen.)


  2. Entscheiden und mich öffnen

    Ich treffe die Entscheidung, mich dir mit Offenheit und Interesse zuzuwenden. Wie ist meine Körperhaltung? Habe ich Augenkontakt? Ich stelle mir vor, in meinem Herzen einen freien Raum zu schaffen, in dem ich dich und das, was du mir zu sagen hast, empfange.


  3. Vorstellungen, Erwartungen und Bewertungen beiseite stellen

    Ich bin achtsam, ob Bilder und Bewertungen über dich oder Erwartungen an dich in mir auftauchen: «Du mit deinen Theorien», «Wieder ist etwas nicht recht», «Ach, was soll denn jetzt diese Geschichte!» und so weiter. Ich entscheide mich, solche Gedanken als nicht hilfreich zu erkennen und sie erstens nicht achtlos auszusprechen und zweitens in mir beiseitezustellen. Ich will dich hören und verstehen. Kein Zweifel: Dieser innere Schritt braucht viel Achtsamkeit.


  4. Die Botschaft als Ausdruck deiner Wahrnehmung, deiner Erfahrung, deines Bedürfnisses anerkennen

    Wir haben eine Neigung, Aussagen persönlich zu nehmen. Oft kompliziert dies die Kommunikation wesentlich und unnötig, weil es zu einem enormen Drang führt, unmittelbar und emotional zu reagieren, zum Beispiel mit Rechtfertigung oder Entgegnung (besonders, wenn alte Wunden getriggert werden – mehr dazu in meinem kostenlosen eBook). Also kann ich mich darin üben, mir die gesendete Botschaft einschliesslich Unter- und Obertönen nicht gleich «einzuverleiben», sondern sie erstmal «bei dir zu lassen»:  Aha, so erlebst du das. Interessant. Was empfange ich als deine Betroffenheit, dein Bedürfnis in dem, was du mir sendest?


  5. Überprüfen: Richtig verstanden?

    Wenn ich nicht sicher bin, ob ich dich wirklich verstanden habe, kann ich es überprüfen. «Ich habe gehört: ... Habe ich das so richtig verstanden? Ist es das, was du mir sagen willst?» Das ist ein wahres Wundermittel, um Missverständnissen vorzubeugen. Und es zeigt dem andern, dass da jemand ist, der ihn oder sie wirklich verstehen will. Das klärt nicht nur, sondern schafft Nähe.


  6. Eigene Resonanz erspüren

    Wie kommt bei mir an, was du sagst? Was macht es mit mir? Mir selbst den Raum und die Zeit geben, um ankommen und wirken zu lassen, was ich gehört habe. Im Herzen und im Verstand. Und dann meine Resonanz bei Bedarf mit dem andern teilen.

     

Kleiner Spickzettel zum Erinnern beim nächsten Gespräch

  1. Freiraum schaffen

  2. Entscheidung zum Horchen

  3. Bewertungen beiseitelegen

  4. Deine Wahrnehmung ehren

  5. Überprüfen des Gehörten

  6. Resonanz teilen

Merkwort:  FEBDÜR 😃


Ich wünsche dir viel Freude beim präsenten Kommunizieren mit den Menschen, die dir begegnen. Mögen wir diese Zeit mit (vollkommen kostenlosen) Geschenken erleuchten.

 
 
bottom of page