Spirituell? Naja, etwas weltfremd, oder?
- 12. Feb.
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Spirituell? Naja, etwas weltfremd, oder?
Ich habe lange Zeit vermieden, den Begriff Spiritualität im Zusammenhang mit meiner Arbeit offiziell zu verwenden. Denn er ist im Laufe der Menschheitsgeschichte in hohem Masse verzerrt und missbraucht worden und dementsprechend in den Köpfen vieler Menschen mit massiven Bewertungen belastet. Wir assoziieren damit schnell mal Sekten und Gurus, esoterische Abgehobenheit, Hokuspokus und Weltfremdheit, vielleicht auch Moral und Verfolgung im Namen von Religion und Kirche.
Meine bisherige Scheu, den Begriff zu verwenden, hat zudem einen persönlichen Hintergrund. Ich fühlte mich als junger Mann verletzlich und ängstlich, zu meiner spirituellen Sehnsucht zu stehen. Denn die Haltung, besser nur dem zu vertrauen, was man anfassen und beweisen kann, hatte ich aus Schule und Umfeld quasi eingeatmet und gut verankert in mir.
Es ist Zeit, diese alte Zurückhaltung zu verabschieden.
Die Kraft, die alles zusammenhält
Heute scheint es mir absurd, unsere essenzielle geistige oder spirituelle Natur nicht als vollkommen offensichtlich anzuerkennen. Wer erlebt hat, was mit dem Körper eines Menschen passiert, wenn er gestorben ist, weiss ohne Zweifel, dass Materie auseinanderfällt und sich auflöst, sobald sie nicht mehr von der mysteriösen Kraft erfüllt und beseelt wird, die wir Leben nennen. Dass auf einmal nichts mehr da ist von dem, was den Menschen ausmachte, zu dem wir eine Beziehung hatten, auch wenn der Körper noch vor uns liegt.
Wir Menschen sind nicht bloss aus Körper, Gedanken und Emotionen bestehende Systeme, die miteinander in Interaktion treten. Wir sind viel, viel mehr. Wir sind beseelte, bewusste Wesen, getragen und genährt von einem wunderbaren Planeten und Teil eines lebendigen Universums von unfassbarer Dimension.
Die Essenz von Spiritualität hat weder mit bestimmten Regeln, Praktiken oder Glaubensansprüchen zu tun noch ist sie etwas von unserem konkreten täglichen Dasein Losgelöstes. Ihr Kern, ihr Wesen ist Liebe – die grosse Kraft, die Verbundenheit schafft. Die Kraft, welche die Atome genauso wie das ganze Universum zusammenhält und zu einem Wunder macht. Die Kraft, die das lebendige Wesen ausmacht und erfüllt, das du bist und das ich bin und das in diesem Körper auf dieser Erde als Teil eines riesigen Ganzen existiert. Wie tragisch, dass im Namen von Spiritualität so viel Trennung kreiert wurde und wird.
Nicht erklärbar und beweisbar und trotzdem offenbar!
Niemand würde behaupten, Liebe sei abgehoben und weltfremd. Wir alle haben Erfahrung mit der Liebe, sehnen uns nach Liebe, erwarten Liebe und verschenken Liebe. Wir erleben sie in der beglückenden Resonanz, die eine Begegnung, eine Berührung, ein Lächeln, eine Katze, ein klarer Sternenhimmel, ein wärmender Sonnenstrahl in unserem Herzen auslösen können. Wir tragen Erinnerungen an kostbare Momente von Liebe in uns und sind traurig und einsam, wenn die im Aussen erhoffte Liebe ausbleibt, sind enttäuscht und frustriert, Wenn die vom Anderen erwartete Liebe nicht so daherkommt, wie wir sie uns vorstellen. Wir wissen, wie absolut bedeutsam Liebe für uns ist. Und trotzdem können wir sie nicht anfassen und definieren und beweisen.
Beziehungen als spirituelles Lernfeld
Unsere grosse Lektion besteht darin, in der Zuwendung zu uns selbst unser eigenes Herz als Tor zur Liebe zu erkennen. Hier kommt meine Arbeit als Beziehungscoach mit ins Spiel: Ich sehe bewusst gelebte Beziehungen als das grösste und wertvollste Lernfeld dafür, sich selbst als Ausdruck von Liebe zu erkennen und erfahren und so ein Stückchen dazu beizutragen, dass in dieser entscheidenden Ära des Wandels auf unserem Planeten Liebe endlich wegweisend für uns als Menschheit wird.
Wenn ich also auf der Einstiegsseite meiner Website nun von spiritueller Begleitung spreche, meine ich damit kein gesondertes neues Angebot, sondern das hier beschriebene grundlegende Bewusstsein, von der meine Arbeit getragen und inspiriert ist. Es darf und soll benannt werden.
Ja, Bewusstsein – dein, mein, unser, das Bewusstsein – verstehe ich als zweiten essenziellen Aspekt von Spiritualität. Dafür, wie wir in Beziehungen lernen und wachsen können, ist es ebenso entscheidend wie die Liebe. Mehr dazu in meinem nächsten Monatsimpuls.
